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(v.l.n.r.): Der Initiator der „Chefsache Industrie 4.0“, Rudolf J. Melzer, Alfred Smyrek, Plant Manager, Loundry & Home Care bei Henkel, die Kommunikationsprofessorin Bettina Gneisz-Al-Ani, Gerhard Bauer, Business Consultant bei Mathera Consulting, Gastgeber Josef Kranawetter, Geschäftsführer von Weidmüller Österreich sowie Gerhard Kormann, Professor für Finance and Strategy an der FH Krems.

Chefsache Industrie 4.0: Traditionelle Managementkonzepte greifen nicht mehr

17. März 2016 | 17:55 Autor: Melzer PR Österreich, Wien, Niederösterreich

Wiener Neudorf/Wien (A) "Für einen erfolgreichen Weg ins Zeitalter von Digitalisierung und Industrie 4.0 müssen wir uns von vielen klassischen Managementansätzen und innovationshemmenden hierarchischen Unternehmensstrukturen verabschieden." – So lautet ein Fazit des jüngsten, hochkarätig besetzten Executive-Roundtables aus der von der Melzer PR Group initiierten Diskussionsreihe „Chefsache Industrie 4.0“, für den diesmal Weidmüller Österreich in Wr. Neudorf bei Wien als Gastgeber fungierte.

Weitere Kernaussagen: Industrie 4.0 ist thematisch ein so breites Thema, dass es der firmen- und branchenübergreifenden Zusammenarbeit bedarf, um erfolgreiche Lösungen zu entwickeln. Im Prinzip geht es nicht um bahnbrechend neue Technologien, sondern darum, den „Fortschritt der letzten 20 Jahre für die eigene Firma gewinnbringend zu kombinieren“.

Die Vision von der ‚Smart Factory‘ werde in den heimischen Betrieben oft von der Sehnsucht nach „Ordnung in einer Zeit des Umbruchs“ genährt, betonte Gerhard Kormann, Professor Finance and Strategy an der FH Krems. Die digitale Transformation werde sozusagen vom Wunsch nach einer Art „neuer Bequemlichkeit“ getrieben. Kormann: „Die Business-Ziele sind bekannt, ein effizienter  Prozess ist aufgesetzt, das Team ist aufgestellt und alles läuft wie geschmiert und möglichst autonom. Das ist die Wunschvorstellung jedes Managers.“ Aber diese Sehnsucht nach der „überraschungsfreien Zukunft“ werde auch von Digitalisierung und Industrie 4.0 nicht erfüllt werden können.

Traditionelle Managementtheorien greifen nicht mehr
Industrie 4.0 sei nicht nur ein Technologie-Umbruch, sondern auch ein Umbruch althergebrachter Management-Ansätze. Kormann stellt die Frage, ob man in einer Welt, die zunehmend unvorhersehbar ist, überhaupt noch klassische Management-Ziele verfolgen könne. Neben traditionellen Businesszielen und Kennzahlen werde zunehmend die permanente Anpassung an sich schnell ändernde Rahmenbedingungen und Anforderungen (Märkte, Technologie, Mitarbeiter, usw.) zu einer zentralen Managementaufgabe. „Wir brauchen neben einem ‚Management by Objectives‘ immer mehr auch Transformationskompetenzen, sozusagen ein ‚Management by Transformation‘.“

Die Veränderung sei dabei freilich nicht Selbstzweck. Der Geschäftserfolg erschließe sich im Spannungsfeld zwischen den „zwei Welten“ Management by Objectives und Management by Transformation. In einem Dreieck von „Explore“, „Transform“, und „Exploit“ müssten immer wieder neue, an die Marktbedingungen angepasste Geschäftsmodelle entwickelt, technisch und organisatorisch realisiert und schließlich wirtschaftlich ausgeschöpft werden, so Kormann. „Auch von verkrusteten streng hierarchischen Unternehmensstrukturen müssen wir uns verabschieden und zu einem ‚unternehmerischen Prinzip‘ übergehen, in dem die Belegschaft die nötige Freiheit und die nötigen Anreize für innovatives und kreatives Denken und Handeln vorfindet“, betont Kormann. Innovation entstehe nämlich ‚unten‘ auf Expertenebene, nicht ‚oben‘ im Management. „Manager haben wir genug, was uns heute fehlt, sind Experten. Firmen sind bei den neuen Themen heute vielfach von wenigen Ausnahmekönnern abhängig. Beispiel Big Data und Data Mining: Für die meisten Manager ist das Thema eine Blackbox“, konstatiert Kormann.

Bernd Bugelnig, Vorstandsvorsitzender Capgemini Österreich bestätigte, dass Mittelständler in Sachen Innovation mehr Beweglichkeit besitzen, weil die Distanz zwischen Chefetage und Mitarbeitern schon allein strukturell deutlich geringer sei. Prinzipiell sei die Frage, von wem Innovation erwartet werde, vom Management oder Mitarbeiter. „Meiner Erfahrung nach ist es ein Wechselspiel. Die Mitarbeiter werden stark eingebunden, aber es liegt dann doch auch am Management, eine Strategie vorzugeben.“

Für Gerhard Bauer, Business Consultant bei Mathera Consulting, spiegelt sich gerade in der Breite von Industrie 4.0 und der dadurch entstandenen „begrifflichen Verwirrung“ das große Potenzial des Themas wider: „Ob man von Cyberphysical Systems, Internet of Things oder Big Data spricht – eigentlich geht es nicht um völlig neue Dinge, sondern vielmehr darum, den Fortschritt der letzten 20 Jahre zu kombinieren und sinnvoll im Unternehmen einzusetzen.“ So würden ehemalige Datenfriedhöfe zur Basis neuer Wissensgenerierung direkt in der Firma aufgewertet werden.

Neue Prozesskultur gefragt
Eine Gefahr bei der Umsetzung von Industrie 4.0-Projekten sieht Bauer in einer (unnötigen) Komplexitätserhöhung bei Technik und Prozessen. „Es gibt ein Spannungsfeld zwischen Technologiegeilheit und tatsächlichem Nutzen zur Effizienzsteigerung. Analog zum Ansatz von ‚Lean Management‘ sollte nur dort Kommunikationstechnologie eingesetzt werden, wo sie unbedingt notwendig ist.“ Der Prozess definiert den Bedarf an IT. Generell fordert Bauer eine „neue Prozesskultur“ in Unternehmen, um Prozesse so zu gestalten, dass sie sich autonom selbst verändern, wenn es der Markt oder die Kundenbedürfnisse erfordern. „Die Prozesse müssen proaktiv Veränderungen umsetzen, damit Industrie 5.0 keine Revolution mehr ist“, so Bauer.

Mehr zum  „Chef 4.0“ am 10.5. bei der Smart Automation
Capgemini hat in einer Interviewreihe Topmanager aus der Industrie und Experten aus der Wissenschaft sowohl in Deutschland als auch in Österreich befragt, wie sich die Rolle des Chef 4.0 in Bezug auf Industrie 4.0 verändern wird und welche Auswirkungen dieser Wandel auf die Zusammenarbeit und auf die Organisationsstruktur haben wird. Die Ergebnisse der Interviews werden als Impuls für die Diskussionsrunde in der nächsten „Chefsache Industrie 4.0“ am 10. Mai 2016 im Rahmen der Smart Automation & Intertool Messe in Wien vorgestellt.

Kurzinfo zu „Chefsache Industrie 4.0:
Die informelle Expertenplattform „Chefsache Industrie 4.0“ wurde Anfang 2014 von der Melzer PR Group gemeinsam mit Wirtschaftswissenschaftern und CEOs diverser betroffener Unternehmen ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Thema „Industrie 4.0“ bzw. „Internet der Dinge“ in Österreich noch stärker zu einer „Chefsache“ zu machen, also den entsprechenden Informationsaustausch auf Geschäftsführerebene anzuregen und zu erleichtern. Zu den Executive-Roundtable-Gesprächen und Exkursionen laden der jeweilige „Host“ und die MPRG Vorstände und Geschäftsführer von führenden Industrieunternehmen ein. Teilnehmende Firmen bis dato unter anderem: Capgemini, OMV, Mondi, Semperit, Palfinger, Prinzhorn, Bossard, SAP, SCA, Schäffler, Jungheinrich, KBA Mödling, GGW Gruber, Weidmüller und andere mehr.  

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