< Zurück zur Übersicht

Keynote-Speakerin Ingrid Brodnig analysierte, warum es so viel Hass und Hetze im Internet gibt und wie Schüler/innen dafür sensibilisiert werden können.

EDU|days machen fit gegen Hass im Netz

06. April 2018 | 10:48 Autor: Pädagogische Hochschule NÖ Startseite, Niederösterreich

Krems (A) 80 Vorträge & Workshops mit 400 Teilnehmer/innen aus vier Ländern: die EDU|days 2018 in Krems nahmen die Chancen und Gefahren der Digitalisierung in Unterricht und Schule in den Fokus. "Aber es hätte auch wahr sein können." - Diese Aussage aus einem ihrer Interviews mit einer Benutzerin von Facebook ist für Ingrid Brodnig zu einem Kernsatz geworden. Er bringt auf den Punkt, warum Fake News heute bei vielen Menschen große Chancen haben: Es geht nicht mehr darum, ob Nachrichten der Wahrheit entsprechen, sondern ob sie in das eigene Weltbild passen.

"Natürlich war das auch früher schon so", erklärt die Journalistin und Buchautorin, aber durch den bekannten Filterblaseneffekt und die leichte Verbreitung von Inhalten werden Menschen heute viel öfter und intensiver mit genau jenen Nachrichten "gespeist", die ihrem eigenen Weltbild entsprechen. Und denen wird Glauben geschenkt. Relativ egal, ob sie wahr sind, oder nicht. Sie könnten ja zumindest wahr sein.

Grundhaltung für News auf Social Media: Gesundes Misstrauen
Brodnig, Österreichs bekannteste Expertin für die Themen Lügen und Hass im Netz, gab in Ihrer Keynote zur Eröffnung der EDU|days im Audimax der Donau-Universität in Krems auch gleich Tipps, wie Lehrende ihre Schüler/innen für dieses Thema sensibilisieren können. Ein Beginn wäre etwa die Bewusstmachung, dass ein Algorithmus entscheidet, welche Nachrichten jedem und jeder einzelnen angezeigt werden. Durch eine eigene Funktion kann sich dies beispielsweise auf der Plattform Facebook jede Nutzerin und jeder Nutzer für sich anzeigen lassen. Brodnigs eindringliche Grundregeln: "Misstrauen Sie Gefühlen. Misstrauen Sie der Optik. Misstrauen Sie den Bildern." Nicht alles, was im Internet aufregt, müsse falsch sein, aber viel Aufregendes sei zugespitzt oder erfunden, so die Social Media Expertin. Zwar alt, aber aktuell wie nie zuvor sei daher eine klassische Tugend für Lernende: Quellenkritik.

Und wenn letztlich doch keine Argumentation mit Fakten hilft, rät Brodnig zum Humor: "Jugendliche sind extrem gut darin, sich über Unsinn lustig zu machen."

Willkommenskultur für neue Ideen
Gastgeber Vizerektor Thomas Ratka von der Donau-Universität thematisiert in seinen Begrüßungsworten ein wahrnehmbares kollektives Aufmerksamkeitsdefizit unter jungen Menschen. Es falle Studierenden immer schwerer, komplexe Texte zu lesen oder selbst komplexere Texte zu formulieren. Wie weit die modernen digitalen Medien zu dieser Entwicklung ihren Beitrag leisten, darüber reflektierte sein Kollege Vizerektor Norbert Kraker von der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich. Bei aller Skepsis gegenüber der Digitalisierung warne er jedoch vor "rückwärtsgewandter Scheuklappenpädagogik". Bildung und Forschung von heute sei ohne neue Medien unmöglich. Und Aufklärung heute die "Willkommenskultur für neuen Ideen."

80 Beiträge, Teilnehmer/innen aus vier Ländern
Um einen sinnvollen, methodisch korrekten und gezielten Einsatz von digitalen Medien ging es auch in den mehr als 80 weiteren Impulsvorträgen, Pecha-Kucha-Kurzvorträgen und Workshops an zwei Tagen - etwa zu den Themen Coding und Robotik, die Erstellung interaktiver Videos oder Augmented Reality. Im "Open Space" berichteten die Teilnehmenden spontan über ihr aktuelles Projekt oder ihre Erfahrungen mit digitalen Medien im Unterricht. Anbieter von Hard- und Software präsentierten vor dem Audimax ihre neuesten Innovationen.

Hohe Verantwortung für Lehrende
Für Organisationsleiter Gerhard Brandhofer von der PH NÖ zeigt sich auch bei dieser Tagung sehr deutlich, dass das Thema der Digitalisierung längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist: "Vor einigen Jahren waren Veranstaltungen wie die EDU|days stark von fachspezifischen Themen geprägt, mittlerweile verhandeln wir die gesellschaftlichen Veränderungen durch die Digitalisierung intensiv." Dies sei auch ein Beweis für die hohe Verantwortung, die Lehrende bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema haben, so Brandhofer.

Kooperationsveranstaltung
Die EDU|days sind ein Kooperationsprojekt der Donau-Universität Krems, der Pädagogischen Hochschule für Niederösterreich, des Bundesministeriums für Bildung und zahlreicher weiterer Partner. Diese Partnerschaft ermöglichte eine kostenlose Teilnahme für knapp LehrerInnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Ungarn.

  • 400 Teilnehmer/innen nahmen an insgesamt 80 Vorträgen und Workshops teil.
    uploads/pics/2_f81e39.jpg
  • Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildeten dieses Jahr die Workshops aus dem Bereich Robotik.
    uploads/pics/3_96.jpg
  • Unter den Teilnehmer/innen: Martin Bauer, Leiter der Abteilung für IT-Didaktik und digitale Medien im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung.
    uploads/pics/4_61.jpg
  • Organisationsleiter Gerhard Brandhofer: "Es zeigt sich auch bei dieser Tagung sehr deutlich, dass das Thema der Digitalisierung längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist."
    uploads/pics/5_45.jpg

PH Niederösterreich | Pädagogische Hochschule Niederösterreich

Mühlgasse 67, 2500 Baden
Österreich
+43 2252 88570-108

Details

Donau-Universität Krems

Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30, 3500 Krems
Österreich
+43 2732 893-6000

Details


< Zurück zur Übersicht