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Jonathan Dominguez Hernandez BSc, LLB, LLM, FH Krems

Männliche Hebamme lehrt im Department of Health Sciences der IMC FH Krems

08. August 2017 | 09:40 Autor: FH Krems Österreich, Niederösterreich

Krems (A) Jonathan Dominguez Hernandez BSc, LLB, LLM stammt aus Teneriffa. Sein Weg hat ihn über England nach Österreich geführt. Obwohl sein Werdegang spannend und abwechslungsreich ist, ist vor allem das was er macht spannend und in Österreich (noch) außergewöhnlich: Er ist Hebamme. An der IMC FH Krems ist er als Lehrender im Department of Health Sciences tätig.

Im Süden alltäglich
In seiner spanischen Heimat ist es nichts Ungewöhnliches, dass Männer als Hebammen arbeiten. Überhaupt sei das in den südlichen Ländern gang und gäbe, schildert Jonathan Dominguez Hernandez im Gespräch. Auf Teneriffa hat er zuerst als Krankenpfleger, dann als Kinderkrankenpfleger gearbeitet. Während seiner Ausbildung hat er auch einige Monate im Kreissaal verbracht, was in Spanien ganz normal ist, weil jeder angehende Krankenpfleger während der Ausbildung unterschiedliche Stationen durchläuft.

In England viel Neues
Sein erstes Aha-Erlebnis hatte er in England. Dort hat er sich, nach dem er einige Zeit als Krankenpfleger gearbeitet hat, entschieden das Hebammenstudium zu beginnen. „Ich habe im Norden von England studiert und war der erste männliche Student in diesem Bereich in diesem Land und die Nachrichten waren da. In England war das eine Sensation und die ganze Zeit wurde nach Interviews gefragt, im Krankenhaus haben sie auf mich gewartet, es war wirklich eine große Sache“, erzählt Hernandez über seine Erlebnisse in England. „Ich wusste nicht, wie man mit diesen Dingen umgeht, ich wollte einfach nur einen Beruf lernen, einen Beruf, von dem ich dachte, dass er toll wäre und dann war ich mit dieser Situation konfrontiert. Die Nachrichten und die Aufmerksamkeit hatte einen Einfluss auf die dort arbeitenden Hebammen, sie fanden es nicht gut und haben sich gefragt, wie ein Mann diesen Beruf machen soll“, erklärt der Spanier. Seine damalige Universität sei dann aber eingeschritten und er habe eine feste Mentorin bekommen, die ihm zur Seite stand, dann habe sich die Situation entspannt.

Nicht wer, sondern wie
Den Eindruck, dass Hebamme ein reiner Frauenberuf ist, hatte Jonathan Dominguez Hernandez bevor er nach England gegangen ist nicht. Seit seiner Zeit in England weiß er aber, dass es in vielen Ländern noch eine Sensation ist, wenn ein Mann beim Kinder entbinden hilft. Von den Patientinnen wurde der Hebamme laut eigenen Angaben von Anfang an gut angenommen. Vielfach galt: „Es geht nicht darum, ob du eine Frau oder ein Mann bist, es geht darum, ob du deine Arbeit beherrscht“. Dass die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau eine andere ist als von Frau zu Frau sieht der Spanier gerade in seiner Tätigkeit als kleinen Vorteil. „Wenn ich eine Frau sehe mit Schmerzen, dann will ich ihr helfen, ich will ihr den Schmerz nehmen“, erklärt Jonathan Dominguez Hernandez. Frauen seien in solch einer Situation oft ungewollt unbarmherziger, da sie oft selbst schon die Erfahrung einer Geburt durchlebt haben und demnach wissen mit was sie es zu tun haben. Wegen seiner Toleranz und ruhigen Art habe er immer gutes Feedback von den Schwangeren bekommen. Mehr Probleme in der Akzeptanz hatte Jonathan da noch mit den werdenden Vätern, die ihn zu Anfangs meistens als Konkurrenz wahrnahmen. Er habe sie dann sehr schnell in die weitere Arbeit eingebunden und ihnen auch einiges an Aufmerksamkeit zukommen lassen, so habe er auch diese Herausforderung gemeistert.

„Am Anfang hatte ich wirklich Schwierigkeiten, niemand wollte mit mir arbeiten, ich habe mir gedacht, ob dass das Richtige ist, was ich mache. Aber das Feedback meiner ersten Geburt war so gut und das hat mich ermutigt und ich habe gesagt, ich mache weiter. Und nach einem Monat haben alle Kolleginnen gesagt ‚Es tut mir leid, ich wusste nicht, wie ein Mann das macht, aber jetzt kennen wir dich, wir wissen was du willst, wie du das machst, wie du Frauen behandelst‘, dann war es perfekt“, ist Jonathan Dominguez Hernandez längst über seinen holprigen Start hinweg.

Als männliche Hebamme in Österreich
„Es ist lustig, dass das in Österreich so ungewöhnlich ist, weil es gleichzeitig so viele männliche Gynäkologen gibt. Als ich hier gearbeitet habe waren 70 Prozent der Gynäkologen Männer und die Frauen hatten kein Problem damit, aber bei mir hatten sie Bedenken“, schmunzelt Hernandez. „Hier habe ich auch ein bisschen Angst davor, wenn mich jemand fragt, was ich von Beruf bin, denn es ist entweder ein positiver oder ein negativer Eindruck. Nie neutral. Aber es sollte egal sein“, wünscht sich Jonathan. „Ich hoffe, dass mit mir und anderen Männern, die in den Beruf kommen, der Beruf normal wird genauso wie Krankenpfleger, da fragt man auch nicht mehr, ob das ein Beruf für Frauen oder Männer ist.“

Übrigens bei der männlichen Hebamme sind auch sprachliche Grenzen gesetzt: Es gibt keinen Begriff für einen Mann der als Hebamme tätig ist, daher ist die momentan richtige Berufsbezeichnung für Jonathan Dominguez Hernandez und seine Kollegen „der Hebamme“.  

Lehre an der IMC FH Krems
Sein Weg in die Lehre hat Jonathan Dominguez Hernandez über ein Jurastudium währenddessen er sich auf medizinisches Recht und klinische Risiken spezialisiert hat in die Lehre geführt. Erfahrungen hat er auch im Risikomanagement von klinischer Nachlässigkeit gesammelt. „Mein Interesse ist immer, wie können wir den Patienten die beste Betreuung anbieten, fachlich und menschlich. Patienten sollten auch agieren, wenn sie eine schlechte Betreuung bekommen. Eine Veränderung nach einer Klage kommt aber eigentlich zu spät. Große Fehler mit gravierenden Folgen passieren aber. Das ist der Grund dafür, dass ich mich jetzt auf evidenzbasierte Medizin spezialisiert habe“, schildert der Hebamme. Es gehe ihm vor allem darum, dass sich durch Studien und Evidenzen die Betreuung verbessert und Präventionsmaßnahmen gesetzt werden. An der IMC FH Krems lehrt Jonathan Dominguez Hernandez evidenzbasierte Praxis und Fachenglisch im Hebammen- und Pflegestudiengang. Darüber hinaus ist er auch in der Forschung tätig. „Es ist gut zu wissen, dass ich einen Einfluss auf die neuen Generationen habe, ich muss sehr vorsichtig sein, wie ich ausbilde und überlegen, wie ich unsere Tätigkeit besser machen kann. Ich freue mich, dass ich diesen Job machen kann.“

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