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Helmut Krapmeier vom Energieinstitut Vorarlberg

Energieautonomie Vorarlberg ohne Passivhausqualität nicht möglich

04. April 2012 | 09:06 Autor: Energieinstitut Vorarlberg

Dornbirn (A) Um das Ziel der Energieautonomie Vorarlberg bis 2050 zu erreichen, sind zum einen der Anteil der Erneuerbaren Energien zu erhöhen und zum anderen – in viel stärkerem Umfang  - die Energieaufwendungen zu reduzieren. Im Bereich Gebäude gibt es dazu bereits heute praktikable, finanzierbare und umsetzbare Lösungen: Errichtung der Gebäude in Passivhausqualität.

„Ein Passivhaus ist die beste Absicherung gegen steigende Energiekosten in der Zukunft.“ ist Helmut Krapmeier vom Energieinstitut Vorarlberg überzeugt. Er weiß, wovon er spricht, denn er bewohnt selbst ein Passivhaus, forscht und arbeitet europaweit auf diesem Gebiet und hat diesen Gebäudestandard vor 20 Jahren in Vorarlberg bekannt gemacht.

EU Vorgaben und Energieautonomie Vorarlberg brauchen beste Gebäudequalität
Es gibt keinen Grund, an diesem Niveau zu zweifeln. Dann an diesem thermischen Qualitätsniveau führt so wie so kein Weg vorbei, denn: Die Europäische Union fordert mit Ende 2020 die Errichtung von „Fast Nullenergiehäuser“ für alle Gebäude in Europa.

• Die Klimaziele der Europäischen Union und die Ziele der „Energieautonomie Vorarlberg“ können nur erreicht werde, wenn zukünftige Neubauten noch effizienter werden und mit noch mehr erneuerbaren Energieträgern versorgt werden. In ähnlicher Weise muss auch der gesamte Gebäudebestand, wo immer möglich, wärmetechnisch bestens saniert und die Energieversorgungssysteme auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden.

• Das Passivhaus ist eine gute Grundlage für diese Forderung. Ein Passivhaus wird durch einen hohen Anteil an direkter Sonnenenergienutzung und durch die Solaranlage für die Warmwasserbereitung mit erneuerbarer Energie versorgt. Die restliche Heizenergie von Passivhäusern erfolgt sinnvollerweise durch Biomasseheizungen. Eine weitere Möglichkeit sind Niedrigstenergiehäuser mit einem deutlich höheren Anteil an Photovoltaik und thermischen Sonnenkollektoren als sie für Passivhäuser erforderlich sind, um die gleichen Ziele zu erreichen.

Das Passivhaus funktioniert
• 3 deutsche Passivhaus-Wohnanlagen mit insgesamt 106 Wohneinheiten und eine Niedrigenergiehauswohnanlage mit 41 Wohneinheiten wurden messtechnisch detailliert untersucht. Die Passivhäuser verbrauchten um 80% weniger Heizenergie. Die zuvor erstellten Berechnungen  stimmten mit den messtechnischen Untersuchungen sehr gut überein. (Grafik Beilage 1)

• 6 österreichische Passivhauswohnanlagen mit insgesamt 426 Wohneinheiten und 38.443 m² Wohnnutzfläche wurden verglichen mit 12 Niedrigenergiehauswohnanlagen. Die Passivhäuser verbrauchten um 70% weniger Heizenergie. (Grafik Beilage 2)

Nachweislich höchst zufriedene BewohnerInnen
„Mit längerer Wohndauer wird das Leben im Passivhaus besser beurteilt: In der Utendorfgasse stieg der Anteil hoher Sympathie für die Wohnform von 84% auf 94%.“ (Grafik Beilage 3)

Das Passivhaus ist wirtschaftlich
Statt auf Dauer Geld mit importierten fossilen Energieträgern zu verheizen wird die gleiche Summe für regionales Handwerk und für langfristig nutzbare Bauteile ausgegeben.

Die Mehrkosten von errichteten Passivhäusern wurden im EU-Projekt CEPHEUS im Jahr 2000 untersucht und mit 8% ermittelt. Eine Schweizer Studie der FH in Muttenz beziffert die Mehrkosten für zertifizierte Minergie-P (Schweizer Begriff für Passivhäuser) mit 3,5 bis 10%. Der gemeinnützige Wohnbauträger „Neue Heimat Tirol“ konnte die Mehrkosten von Passivhaus-Wohnsiedlungen  von knapp 10% innerhalb weniger Jahre auf etwa 5 bis 6% reduzieren. Mit der attraktiven Wohnbauförderung können ein Teil der Mehrkosten abgefangen werden, ein anderer Teil wird durch Energieeinsparungen wettgemacht. Die Bemühungen und Forderungen um Kostentransparenz in Vorarlberg sind zu begrüßen, denn nur ständiges Evaluieren führt zu immer besseren Ergebnissen.

Das Passivhaus ist vor allem für finanziell schwache Bevölkerungsgruppen geeignet
Die Energiekosten für warme Räume, warmes Wasser und frische Luft betragen rund 30 bis 35 Euro pro Monat im Passivhaus.

Wegen der hohen Wärmedämmung kühlt das Passivhaus auch bei Ausfall der Heizung nur sehr langsam und – solange das Haus/die Wohnung bewohnt wird - auf ein erträgliches Temperaturniveau ab, während der gleiche Heizungsausfall in einem „normalen“ Haus zu unerträglich kalten Temperaturen führt.

Im Passivhaus Wolfurt Eichenstrasse ist in der extremen Kälteperiode des Jänner 2012 die Heizung in einer Wohnung ausgefallen. Das bemerkten die Bewohner erst nach vier Tagen. Der tägliche Temperaturabfall betrug ½ Grad. Nach weiteren zwei Tagen war die Heizung repariert. Die Temperatur war in sechs Tagen von 22,5°C auf 20°C gesunken.

Innovation, Export und Arbeitsplätze durch das Passivhaus
Vorarlberg ist Pionierland in Bauqualität und Keimzelle vieler Innovationen. So wurde z. B. von der Firma drexel & weiss 1996 das erste zertifizierte Wärmepumpenkompaktaggregat entwickelt. Heute exportiert drexel & weiss Lüftungsgeräte und Kompaktgeräte nach ganz Österreich und in viele Länder der EU.

Die Firma Sigg hat bereits das zweite zertifizierte hocheffiziente Fenster entwickelt und verkauft das Produkt vor allem ins Ausland. Zahlreiche Architekten haben Passivhäuser nicht nur in Vorarlberg, sondern in anderen Bundesländern und im Ausland geplant. So sind z.B. in Wien im Rahmen von Bauträgerwettbewerben von den Vorarlberger Architekten Hermann und Johannes Kaufmann, Baumschlager und Eberle, Dietrich | Untertrifaller, Hein & Troy Passivhaus Wohnanlagen geplant worden. Mit der Ausführung wurden ebenfalls Vorarlberger Unternehmen beauftragt. Das Olympia Haus in Kanada wurde in Passivhausstandard von Vorarlberger Firmen gebaut.

Energieeffizientes Bauen und Sanieren / Passivhausstandard schafft laut des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO)  12.200 Arbeitsplätze/Personenjahre pro 1 Milliarde Euro Bauinvestition.

  • Grafik Beilage 1 (Grafik: Passivhaus Institut, Darmstadt)
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  • Grafik Beilage 2 - Nachhaltigkeits-Monitoring ausgewählter Passivhaus-Wohnanlagen in Wien (Projekt NaMAP) Endbericht, Wiener Wohnbauforschung; Wien, Dezember 2009
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  • Grafik Beilage 3 (Grafik: Wiener Wohnbauforschung)
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Energieinstitut Vorarlberg

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Österreich
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