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Die Gebäude in Passivhausqualität sind für die Erreichung der Energieautonomie unverzichtbar. (Bild: Hefel Wohnbau)

Passivhaus und leistbares Wohnen

14. Jänner 2013 | 13:17 Autor: Energieinstitut Vorarlberg

Dornbirn (A) Jetzt wird in Vorarlberg wieder zu den zwei Themen diskutiert. Gut so! Und eines gleich vorweg: Passivhäuser sind in der Anschaffung wegen des besseren Wärmeschutzes und der Wärmerückgewinnung teurer als durchschnittliche Häuser –und zwar um 5 bis 11 %.

Darüber muss nicht mehr diskutiert werden. Über die Lebenszeit eines Hauses gesehen sind Passivhäuser unter Berücksichtigung der höheren Förderung wirtschaftlich, und der Wohnkomfort gratis.

Einmal ganz ehrlich: Wer kauft heute einen neuen Computer aus der vorherigen Generation, weil der neue um 5 – 11% teurer ist? Niemand. Auch beim neuen Auto nimmt man selbstverständlich das neue Modell und nicht jenes, das vor 5 Jahren auf den Markt gekommen ist, obwohl es 5 % teurer ist. Denn man weiß, es ist umweltfreundlicher, braucht etwas weniger Treibstoff, hat mehr Komfort und sicherheitshalber eine Klimaanlage. Bei kurzlebigeren Produkten scheinen Mehrkosten bei der Anschaffung kein Diskussionsthema zu sein. Aber bei Investitionen, die sogar noch der nächsten Generation zu Gute kommen, ist das offenbar der Fall.

Wohnkomfort im Passivhaus gratis

Richtig ist: Bauen ist teurer geworden als viele andere Produkte des täglichen Lebens. Richtig ist auch, Passivhäuser sind teuer in der Anschaffung. Je nach Größe und Know-How des Errichters sind es 5 bis 11%. Über die Lebensdauer werden die Mehrkosten zum einen über die Energieeinsparung, zum anderen über die hohe Wohnbauförderung gerade für den gemeinnützigen Wohnbau abgedeckt. Wenn das so ist, dann ist der gewonnene Komfortgewinn gratis, die Absicherung, dass Energiekosten noch stärker in den Betriebskosten durchschlagen, geringer. Denn eines ist sicher: Energie wird nicht billiger werden. Und die Energiekosten sind in den letzten Jahren viel dramatischer gestiegen als das Bauen selbst: Der Rohölpreis ist seit 1998 um 900% (!) gestiegen, der Abgabepreis von Heizöl im gleichen Zeitraum um 300%. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass der Plafond bei den Energiepreisen erreicht ist.

Dass Passivhäuser auch in der Praxis Energiekosten gegenüber Niedrigenergiehäusern einsparen, zeigen die Jahresabrechnungen zweier Wohnanlagen der Neuen Heimat Tirol: während die Kosten für Warmwasser und Heizung in der Niedrigenergiehaus-Wohnanlage Kufstein ca. 0,65 EUR/m2a betragen, liegen die Kosten für Heizung, Warmwasser, Strom Lüftungsanlage und Wartung der Lüftung in der Passivhaus-Wohnanlage Lodenareal in Innsbruck bei etwa 0,36 EUR/m2a.

Von den Investitions-Mehrkosten für den besten Baustandard hat der Nutzer laufend Vorteile. Das ist beim Grundstückspreis, der ansteigt, nicht der Fall. Auch die höheren Werbe- und Finanzierungskosten machen die Wohnung nicht besser, sondern nur teurer. Wer einmal eine gut funktionierende Komfortlüftung genossen hat, kann sich nichts anderes mehr vorstellen. Das ist gerade in kleinräumigen Wohnungen von großem Vorteil.

Kosten-Stellschraube bei energetischer Gebäudequalität kritisch
Folgt man den Diskussionen, so scheint es, dass die einzige Stellschraube, die man für leistbareres Wohnen findet, die Reduktion der energetischen Gebäudequalität ist. Das ist nicht nur ein Rückschritt, sondern auch ein Angriff auf die Energiesicherheit in der Zukunft. Denn einmal gebaut, sind die wichtigsten Hauselemente für die nächsten 40 Jahre fixiert und werden nicht mehr verändert. Es ist allemal besser, in Verbrauchsreduktion zu investieren als weiterhin Energiekostenzuschüsse an einkommensschwache Bevölkerungsschichten zu bezahlen.

Passivhausqualität für Energieautonomie unverzichtbar
Die Energieautonomie Vorarlberg braucht das Energieniveau des Passivhauses im Gebäudebereich dringend, wenn sie ernst genommen werden soll. Es muss auf diesem Weg verstärkt auf erneuerbare Energie umgestiegen werden. Das ist nur dann möglich und sinnvoll, wenn der Verbrauch drastisch reduziert wird.

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