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(Foto: EVN)

EVN: Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/15

28. Mai 2015 | 09:19 Autor: EVN Startseite, Niederösterreich

Maria Enzersdorf (A) Das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/15 war in Österreich von Durchschnittstemperaturen geprägt, die gegenüber dem Vorjahr kaum eine Veränderung zeigten und damit erneut über dem langjährigen Durchschnitt lagen. Die Heizgradsumme blieb dadurch unverändert auf niedrigem Niveau. In Südosteuropa hingegen führten niedrigere Temperaturen zu einem Anstieg der Heizgradsummen um 12,3 % in Bulgarien sowie um 9,0 % in Mazedonien.

Energiewirtschaftliches Umfeld
Der fortgesetzte Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Energieträgern in Deutschland und Österreich sowie die niedrigen Preise für Kohle und – trotz des leichten Anstiegs – nach wie vor auch für CO2-Emissionszertifikate führten in der Berichtsperiode zu einem weiteren Rückgang der Termin- und Spotmarktpreise für Grund- bzw. Spitzenlaststrom. Konkret sanken die für die Berichtsperiode geltenden Terminpreise für Grundlaststrom um 12,0 % auf 38,0 Euro und jene für Spitzenlaststrom um 11,9 % auf 49,1 Euro pro MWh. Die Spotmarktpreise für Grundlaststrom gingen im Vergleich zur Vorjahresperiode um 8,2 % auf 33,5 Euro pro MWh und jene für Spitzenlaststrom um 11,0 % auf 43,5 Euro pro MWh zurück.

Deutlich gesteigertes EBIT; Konzernergebnis nahezu auf Vorjahresniveau
Die Umsatzerlöse erhöhten sich im ersten Halbjahr 2014/15 um 74,2 Mio. Euro bzw. 6,5 % auf 1.224,7 Mio. Euro. Eine um 32,9 % erhöhte Stromeigenerzeugung, gesteigerte Erdgasvermarktungsaktivitäten sowie vorangegangene Preisentscheide in Bulgarien und Mazedonien waren hauptausschlaggebend für diese Entwicklung. Zusätzlich wirkten die Abrufe der als Reservekapazität gehaltenen Kraftwerke Theiß und Korneuburg zur Netzstabilisierung durch den österreichischen und den deutschen Übertragungsnetzbetreiber.

Die sonstigen betrieblichen Erträge erhöhten sich unter anderem durch den Verkauf der Natriumhypochloritanlage um 25,1 Mio. Euro auf 66,6 Mio. Euro. Der Anstieg des Aufwands für Fremdstrombezug und Energieträger um 5,9 % auf 638,3 Mio. Euro steht im Zusammenhang mit der erhöhten Stromeigenerzeugung durch den Vollbetrieb des Kraftwerks Duisburg-Walsum, dem Einsatz von Erdgasmengen zu Handelszwecken und gestiegenen Energiebezugskosten in Bulgarien durch vorangegangene Tarifentscheide. Fremdleistungen und der sonstige Materialaufwand erhöhten sich um 14,8 % auf 126,6 Mio. Euro, was hauptsächlich an einer Wertberichtigung auf Anlagenkomponenten aus dem ehemaligen Projekt Müllverbrennungsanlage Nr. 1 in Moskau in Höhe von 11,0 Mio. Euro lag. Diese Maßnahme betrifft die auf die besonderen Anforderungen der Stadt Moskau hin adaptierte Rauchgasreinigungsanlage, für die nach einer Marktsondierung aus heutiger Sicht keine Folgeverwendung gefunden werden kann.  

Ein leicht gesteigerter Personalaufwand, verringerte sonstige betriebliche Aufwendungen sowie ein Ergebnisanstieg bei den at Equity einbezogenen Unternehmen mit operativem Charakter führten zu einer EBITDA Steigerung um 18,1 % auf 384,0 Mio. Euro.

Neben investitionsbedingt erhöhten laufenden Abschreibungen kam es zu Wertminderungen in Höhe von 19,0 Mio. Euro, welche überwiegend auf die Schließung eines Kraftwerksblocks von Verbund am Standort des Gemeinschaftskraftwerks Dürnrohr mit April 2015 und einer darauf beruhenden Erwartung künftig erhöhter Instandhaltungs- und Betriebskosten zurückzuführen waren. Auf Basis dieser Entwicklungen ergab sich ein EBIT von 237,5 Mio. Euro, das um 38,8 Mio. Euro bzw. 19,5 % über dem Ergebnis der Vergleichsperiode des Vorjahres lag.

Das Finanzergebnis war von einer reduzierten Ausschüttung der Verbund AG für das Geschäftsjahr 2014, der Auflösung des Sicherungsgeschäfts für die Finanzierung der mittlerweile veräußerten Natriumhypochlorit-anlage in Moskau sowie den Kosten für die diesbezügliche Investitionsgarantie der Bundesrepublik Deutschland beeinflusst und lag mit –22,0 Mio. Euro um 31,4 Mio. Euro unter dem Vorjahresvergleichswert. Nach Abzug der unveränderten Ertragsteuern und des Ergebnisanteils nicht beherrschender Anteile, belief sich das Konzernergebnis auf 165,4 Mio. Euro und lag damit um 0,5 % unter dem Vorjahresniveau.

Gesunkene Nettoverschuldung; solide Bilanzstruktur
Der Cash Flow aus dem Ergebnis erhöhte sich im Berichtszeitraum hauptsächlich bedingt durch das gesteigerte Ergebnis vor Ertragsteuern um 5,3 Mio. Euro auf 305,7 Mio. Euro. Der Rückgang des Cash Flow aus dem operativen Bereich um 141,0 Mio. Euro auf 209,4 Mio. Euro ergab sich aus Veränderungen im Working Capital. Der Vorjahreswert war hier zudem durch Einmaleffekte geprägt. Der Cash Flow aus dem Investitionsbereich war positiv und lag bei 95,5 Mio. Euro. Diese Entwicklung war durch den Verkauf der Natriumhypochloritanlage bedingt. Ein Teil des Erlöses wurde in kurzfristigen Wertpapieren veranlagt. Der Cash Flow aus dem Finanzierungsbereich belief sich nach –216,8 Mio. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres im Berichtszeitraum auf –300,4 Mio. Euro. Diese Entwicklung ist auf die Rückführung der Finanzierung im Zusammenhang mit der Natriumhypochloritanlage sowie auf die laufende Tilgung von Finanzverbindlichkeiten zurückzuführen. Zudem ist hier die im Jänner 2015 ausbezahlte Dividende für das Geschäftsjahr 2013/14 enthalten.

Die Nettoverschuldung reduzierte sich gegenüber dem 30. September 2014 um 263,0 Mio. Euro auf 1.359,4 Mio. Euro. Das Gearing ging auf 50,5 % zurück (30. September 2014: 61,6 %). Das Eigenkapital erhöhte sich um 61,0 Mio. Euro bzw. 2,3 % auf 2.693,7 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote belief sich zum 31. März 2015 auf 40,3 % (30. September 2014: 38,5 %).


Entwicklungen im Energie- und Umweltgeschäft

Energiegeschäft
Innerhalb von vier Jahren wird die EVN rund 1 Mrd. Euro in die Bereiche Netze, erneuerbare Energie und Wasserversorgung in Niederösterreich investieren. Damit betont sie nicht nur ihren klaren Fokus auf die Versorgungssicherheit für ihre Kunden, sondern unterstreicht gleichzeitig ihre lokale Präsenz in ihrem Heimmarkt.

Im Bereich Windkraft ging im Berichtszeitraum der Windpark Prottes-Ollersdorf mit zwölf Windkraftanlagen und einer Erzeugungskapazität von 37 MW in Betrieb. Damit verfügt die EVN nun über eine Windkraftkapazität von insgesamt 250 MW, aus der sie 150.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgen kann. Mit der Revitalisierung des Wasserkraftwerks Mühlhof, die im März abgeschlossen wurde, wurde auch im Bereich Wasserkraft ein weiterer Akzent gesetzt.

Mit 1. Jänner 2015 wurden die regulierten Netztarife in Niederösterreich um rund 1 % bei Strom und um rund 3 % bei Gas gesenkt. Zuvor war per 1. Oktober 2014 im Rahmen der EnergieAllianz schon der Energiepreis für Strom gesenkt worden. Für einen durchschnittlichen Haushalt in Niederösterreich mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh verringerte sich der Energiepreis dadurch um 10 %.

Umweltgeschäft
Im internationalen Projektgeschäft der EVN werden derzeit acht Projekte umgesetzt. Im März 2015 konnte die Übergabe der Natriumhypochloritanlage in Moskau erfolgreich finalisiert werden. Wie bereits im Bericht über das erste Quartal dargelegt, wurde die Anlage an Moswodokanal, das städtische Wasserver- und -entsorgungsunternehmen Moskaus, veräußert. Durch erfolgreiche Absolvierung eines 72-Stunden-Tests wurde nun die Erfüllung der Qualitäts- und Mengenanforderungen nachgewiesen. Damit wurde die Inbetriebnahme abgeschlossen, sodass die für die Funktionsfähigkeit der Anlage eingeräumte Garantie der EVN erlosch.

In der Wasserversorgung in Niederösterreich gelang es mit der Inbetriebnahme einer neuen Naturfilteranlage in Drösing, den Härtegrad des Wassers für die Kunden in der Region auf natürliche Weise zu reduzieren. Der Bau einer weiteren Naturfilteranlage in Obersiebenbrunn schreitet voran, und die wasserrechtliche Bewilligung für die Naturfilteranlage in Zwentendorf an der Zaya wurde bereits erteilt. Mit der Fertigstellung dieser drei Anlagen wird die Wasserqualität für insgesamt rund 200.000 Einwohner in der Region Weinviertel und Marchfeld wesentlich verbessert. Darüber hinaus hat die EVN mit 1. Jänner 2015 das Wasserleitungsnetz der Marktgemeinde Paudorf übernommen.

Ausblick
Für das Geschäftsjahr 2014/15 gehen wir nach dem stabilen ersten Halbjahr weiterhin davon aus, dass das Konzernergebnis über dem Niveau des Jahres 2012/13 liegen wird. Die energiewirtschaftlichen Annahmen für das verbleibende Geschäftsjahr basieren dabei auf langjährigen Durchschnittswerten, wobei aktuelle Entwicklungen nicht vorhersehbar sind. Die regulatorischen Rahmenbedingungen, die Entwicklungen in den eingeleiteten Verfahren im Zusammenhang mit den Forderungen aus den Tarifentscheidungen in Bulgarien und im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Duisburg-Walsum sowie der Fortgang der Aktivitäten in Moskau sind geeignet, das Konzernergebnis wesentlich zu beeinflussen.

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