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Thomas Salzer, Geschäftsführer Salzer Papier GmbH und Präsident der IV NÖ

Konjunkturumfrage der Niederösterreichischen Industrie für 4. Quartal 2015

29. Jänner 2016 | 09:41 Autor: IV NÖ Startseite, Niederösterreich

St. Pölten (A) Die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage bieten nur geringen Anlass zum Jubeln. IVNÖ-Präsident Thomas Salzer sieht dringenden Handlungsbedarf im Bereich der Entbürokratisierung, um die Unternehmerinnen und Unternehmer wieder zuversichtlich zu stimmen. Beim Beschäftigtenstand fällt der Ausblick in NÖ deutlich schlechter als auf Bundesebene.

„Diese Zahlen belegen einmal mehr, dass die Bürokratie ein Hemmschuh für Investitionen und Wachstum ist“, sagt IVNÖ-Präsident Thomas Salzer über die jüngsten Ergebnisse der vierteljährlichen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) NÖ. „Die im Juni angekündigten Maßnahmen zum Bürokratieabbau hätten schon bis Jahresende erledigt werden sollen“, so Salzer, und verweist dabei auf Negativbeispiele wie die unterschiedlichen Bestimmungen in der Bauordnung der Bundesländer oder das Energieeffizienzgesetz.

Das IV-Niederösterreich Konjunkturbarometer – als Mittelwert aus der Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftsentwicklung – ist seit dem 3. Quartal 2015 zwar von 0,7 auf 17,7 Prozentpunkte angestiegen und befindet sich damit wieder deutlich im positiven Bereich. Das Zwischenhoch aus dem 2. Quartal 2015 von 20 Prozentpunkten konnte jedoch nicht mehr erreicht werden.

Die Einschätzung der 43 befragten Unternehmen mit insgesamt 16.362 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ergab eine Verbesserung in den meisten abgefragten Bereichen. Trotz einer weitreichenden Zufriedenheit mit der derzeitigen Situation sind die Betriebe in Bezug auf die künftige Entwicklung des Industriestandorts jedoch skeptisch eingestellt. „Gerade in einer konjunkturell herausfordernden Lage ist das nicht tragbar und zeigt einmal mehr den dringenden Reformbedarf“, sagt Mag. Michaela Roither, Geschäftsführerin der IV-NÖ.

Die Ergebnisse im Detail:
Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage weist im Konjunkturbarometer einen Saldo von 35 Prozentpunkten aus – das bedeutet, dass es unterm Strich deutlich mehr Unternehmen gibt, die ihre aktuelle Geschäftslage positiv beurteilen. Im 3. Quartal 2015 fiel dieser Saldo mit 21 Prozentpunkten vergleichsweise schlechter aus.

Auch beim aktuellen Auftragsstand hat sich der Saldo im Vergleich zum 3. Quartal von 40 auf 42 Prozentpunkte verbessert und fällt einmal mehr deutlich positiv aus.

Während bei den Unternehmen die Zufriedenheit mit der derzeitigen Situation überwiegt, ist der Ausblick eher verhalten ausgeprägt. Bei den Kriterien Geschäftslage in sechs Monaten und Ertragssituation in sechs Monaten zeigt die Auswertung mit einem Saldo von 0 beziehungsweise 3 Prozentpunkten ein neutrales Bild – das heißt, die Anzahl jener Unternehmen, die mit einer Verbesserung rechnen und jener, die mit einer Verschlechterung rechnen, liegt in etwa gleichauf. Zumindest im Vergleich zur Konjunkturumfrage vom 3. Quartal ist das aber eine Verbesserung, da hier deutlich negative Saldi ausgewiesen wurden (Geschäftslage in sechs Monaten Q3 2015: -19, Ertragssituation in sechs Monaten Q3 2015: -17).

Große Sorgen bereiten jedoch die Ausblicke im Bereich Produktionskapazität in 3 Monaten (-20) sowie Produktionstätigkeit in 3 Monaten (-15). Hier überwiegt deutlich die Anzahl jener Unternehmen, die mit einer Verschlechterung in den nächsten drei Monaten rechnen.

Besorgniserregend ist zudem der Beschäftigtenstand in 3 Monaten. Dieser wird mit einem Saldo von -36 in Niederösterreich deutlich negativer eingeschätzt als auf Bundesebene (-5). Der Unterschied zwischen Niederösterreich und der bundesweiten Entwicklung lässt sich branchenbedingt erklären, wie Dr. Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung, weiß: „In der Mineralölwirtschaft, deren Zulieferindustrie, in der Papierindustrie und in Teilen des Maschinenbaus ist die Situation derzeit angespannt, hier ist Niederösterreich überdurchschnittlich betroffen.“

IVNÖ-Präsident Salzer sieht daher dringenden Handlungsbedarf: „Angesichts dieser Verunsicherung unter den Unternehmen und des schwierigen konjunkturellen Umfelds braucht es dringende Impulse im Bereich der Beschäftigung – etwa durch flexiblere Arbeitszeitgestaltungsmöglichkeiten und eine Lohnnebenkostensenkungen.“

Bei den Verkaufspreisen in drei Monaten gehen knapp zwei Drittel der befragten Betriebe von gleichbleibenden Preisen aus, während ein knappes Viertel eine schlechtere Entwicklung erwartet. Nur 16 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit steigenden Verkaufspreisen. Somit entsteht ein Negativsaldo von -8 Prozentpunkten. Laut Helmenstein ist diese Entwicklung auf die fallenden Rohstoffpreise zurückzuführen. Er geht davon aus, dass die Phase des niedrigen Ölpreises durch die Rückkehr des Irans auf dem internationalen Ölmarkt noch verlängert wird.

Aufgrund der aktuellen Debatte rund um die Flüchtlingsströme nach Europa warnt die Industrie davor, das Schengen-Abkommen aufzuheben. „Ein solcher Schritt hätte langfristig fatale wirtschaftliche Folgen, da er die grenzüberschreitende Personenfreizügigkeit sowie den Dienstleistungs- und Warenverkehr einschränken würde“, sagt Helmenstein und verweist dabei etwa auf die Automobilindustrie mit ihren Zulieferbetrieben in Österreich sowie den Produktionsstandorten in der Slowakei.

Befragungsmethode:
Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, zudem wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Diese Saldi werden als Werte für die grafische Darstellung des Konjunkturbarometers herangezogen.

    IV Industriellenvereinigung Niederösterreich

    Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien, Österreich
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