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(Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Textilindustrie in Niederösterreich baut auf geballtes Know-how

29. März 2016 | 08:19 Autor: Dr. Bruno Müller Österreich, Niederösterreich

St. Pölten (A) Obwohl sich die heimische Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie im internationalen Vergleich durchaus bestens behaupten kann, fällt es ihr nicht leicht, die extrem hohe Qualität ihrer erstklassigen Produkte im Inland an die Kunden zu bringen. „Da macht uns die Billigkonkurrenz aus Asien einen gewaltigen Strich durch die Rechnung“, so Helmut Müller, Fachvertretungsvorsitzender in der NÖ Wirtschaftskammer und Plant Manager der Firma Huyck.Wangner Austria GmbH in Gloggnitz, gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressdienst.

„Vor allem Kollegen aus der Stofffertigung leiden unter der Konkurrenz aus Fernost enorm. Seit dort das Wirtschaftswachstum ebenfalls rückläufig ist, suchen die Asiaten noch aggressiver nach neuen Märkten und fahren mit Preisen in den Markt, mit denen wir nicht mithalten können.“ Es sei allerdings damit zu rechnen, dass hier der Zenit noch nicht erreicht ist und die Fernost-Konkurrenz noch härter den Markt umwerben wird. „Genau aus diesem Grund müssen wird dem Konsumenten die Vorteile der heimischen Waren erklären“, sagt Helmut Müller.

Derzeit gibt es in Niederösterreich 51 Betriebe der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederwarenindustrie, die 3.579 Mitarbeiter beschäftigen und davon 39 Lehrlinge ausbilden. „Doch wir sitzen auf einem schrumpfenden System“, stellt Müller fest. „Gegenüber 2014 haben wir um zwei Betriebe mit 214 Beschäftigten und 13 Lehrlingen weniger. Diese Entwicklung ist alles andere als erfreulich und erfordert rasches Handeln.“

Deshalb möchte die Branche die hohe Qualität ihrer Produkte noch mehr ins Licht rücken. „Wir verkaufen uns leider immer weit unter unseren Wert“, meint Müller. „Die Konkurrenz, die uns nur in den seltensten Fällen in Sachen Qualität das Wasser reichen kann, verspricht ohne Wimpernzucken, was sie nicht halten kann, aber für bare Münze genommen wird. Hier müssen wir unsere Produktvorteile noch besser publik machen und unsere Kunden von der österreichischen Qualität überzeugen. Unsere Branche muss lernen, ihr Licht nicht ständig unter den Scheffel zu stellen“, betont der Kammerfunktionär.

Überhaupt sei Pessimismus fehl am Platz, vielmehr Positiv-in-die-Zukunft-Blicken oberstes Gebot. „Gerade unsere Branche hat ein enormes Know-how“, meint Müller, „wir wissen, wo wir unseren Kunden helfen können mit einer Ware, die den höchsten Qualitätsstandards weltweit entspricht, etwa bei der Berufsbekleidung. Also, warum sagen wir das nicht auch laut?“

Helmut Müller spricht sich auch dafür aus, die Vernetzung der eigenen Mitgliedsbetriebe weiter voranzubringen. „Dafür werde ich mich weiter einsetzen, damit wir gemeinsam Synergien nutzen können.“ In diesem Zusammenhang begrüßt er auch die nationale Vernetzung der Branchen Kunststoff, Textil & Mechatronik unter dem Slogan „Plas Tex Tron“, die seit November des Vorjahres auf Initiative der Wirtschaftskammer entstanden ist. „Dabei geht es um Networking, Ideensammlung und Problemlösung“, so Müller. „Wir hatten schon mehrere Treffen, und dieser Erfahrungsaustausch zeigt schon erste Ergebnisse, etwa was das Recycling, nachwachsende Rohstoffe und smart textiles betrifft.“

Obwohl die österreichische Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie im Vorjahr einen Produktionsrückgang um 0,8 Prozent und einen Beschäftigungsrückgang um 6,2 Prozent verzeichnen musste, sieht Müller mit Zuversicht in die Zukunft. „Wir brauchen uns international überhaupt nicht zu verstecken, sondern müssen nur im Inland mehr auf uns aufmerksam machen. Was wir aber dringend benötigen, ist eine sofortige flexiblere Gestaltung der Arbeitszeiten, damit wir auf den Auftragstand flexibler reagieren können.“

    Wirtschaftskammer Niederösterreich

    Wirtschaftskammer-Platz 1, 3100 St. Pölten, Österreich
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