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Gerhard Brunnthaler (Foto: WB Tulln)

Vielschichtige Herausforderungen für Niederösterreichs Kunststoffverarbeiter

05. Feber 2016 | 10:36 Autor: Dr. Bruno Müller Startseite, Niederösterreich

St. Pölten (A) Hohe Preise der Rohstoffe in den Quartalen 2 und 3 sowie die knappe Verfügbarkeit sind im vergangenen Jahr auch für die niederösterreichischen Kunststoffverarbeiter zum Problem geworden.

„Im letzten Quartal sind die Preise durch den stark rückläufigen Ölpreis zwar wieder deutlich gesunken und auch die Verfügbarkeit hat sich verbessert, dennoch aber sind besonders bei Polyethylen die benötigen Mengen nicht oder nur mit langen Lieferzeiten zu bekommen. Das Ergebnis sind abermals hohe Preise, die aber in keinem Verhältnis zum realen Ölpreis stehen“, stellt Gerhard Brunnthaler, Landesinnungsmeister der Kunststoffverarbeiter in der NÖ Wirtschaftskammer gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst fest.

Durch den hohen Technisierungsstandard in der Kunststoffverarbeitung hat auch das Thema Industrie 4.0 für viele Betriebe eine große Bedeutung. Der Vernetzung von Produktionsanlagen, Logistik sowie Materialwirtschaft, aber auch dem Verständnis für die Vernetzung zur Steigerung der Produktionseffizienz räumt Brunnthaler einen klaren Vorrang ein. „Eine wesentliche Veränderung wird in der Qualifikation der Mitarbeiter erfolgen müssen“, meint er, „denn Industrie 4.0 erfordert von der Mechanisierung zur Digitalisierung einen anderen Zugang zu Produktionsprozessen als bisher und auch zum Kundenbedarf in Echtzeit.“

Neben diesen vielschichtigen Herausforderungen im letzten Jahr ist es der Fachvertretung der Kunststoffverarbeiter erfolgreich gelungen, die Lehrabschlussprüfungen der Kunststoffformgeber und Kunststofftechniker gemeinsam mit dem WIFI St. Pölten zu installieren. Auch der zweite Bildungsweg zum Kunststofftechniker im WIFI sei erfolgreich. „Zudem wird das Projekt „Materiautech“ der New Design University St. Pölten auf drei Jahre mit der Zusammenarbeit von Gewerbe, Kunststoffcluster, Industrie und WIFI zum Wohle der Branche unterstützt“, so Gerhard Brunnthaler.

Hier gehe es einerseits um den Aufbau einer in Österreich einzigartigen Kunststoffbibliothek und andererseits um ihren Einsatz für Lehre, Forschung und Entwicklung. Dabei werden neu eintreffende Proben ins Archiv integriert, Firmen, die das Materiautech-Archiv nutzen wollen, betreut sowie der Branchennachwuchs an den neuesten Stand der Kunststoffverarbeitung herangeführt. Außerdem werden regelmäßige Informationsveranstaltungen angeboten.

Alles in allem sei bei den Kunststoffverarbeitern trotz der nicht gerade unternehmerfreundlichen Situation eine positive Grundstimmung zu verspüren, die sich auch an den Lieferzeiten der Maschinenhersteller ablesen lasse. „Vier bis sechs Monate Wartezeiten auf neue Spritzgussmaschinen österreichischer Anbieter sind durchaus üblich. Das zeigt den Erfolgswillen unserer Betriebe, sich den Herausforderungen mit modernster Technologie zu stellen“, so Brunnthaler.

Derzeit gibt es in Niederösterreich 140 kunststoffverarbeitende Betriebe. 101 davon beschäftigen 2.523 Mitarbeiter. Zudem werden in sechs Lehrbetrieben zehn Lehrlinge im Lehrberuf Kunststoffformgebung sowie in zwölf Lehrbetrieben 29 Lehrlinge zu Kunststofftechnikern ausgebildet.

    Wirtschaftskammer Niederösterreich

    Wirtschaftskammer-Platz 1, 3100 St. Pölten
    Österreich
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